Die Alchemisten

Alchemisten01Die Alchemisten von Matús Kotry aus dem Heidelberger Spieleverlag ist eins der Spiele, die mir auf der SPIEL 2014 aufgefallen sind. Für dieses Spiel wird empfohlen, während des Spielverlaufs ein Zusatzprogramm zu benutzen, dass es sowohl als App für alle gängigen Smartphones und Tablets gibt, aber auch als web app, so dass man jedes internetfähige Gerät nutzen kann. Auf meinem PC läuft die App zumindest problemlos. Es ist aber auch möglich, ganz auf die elektronischen Hilfsmittel zu verzichten, dann muss aber ein Spielleiter eingesetzt werden.

Die Alchemisten darf sich seit ein paar Tagen mit der Goldenen Feder 2015 schmücken. Dies ist der Wanderpreis der Stadt Essen, der jährlich an das Spiel mit der vorbildlichsten Regel vergeben wird.

Alchemisten02Ein Quäntchen Alraunwurzel, eine Rabenfeder ... drei Mal gut durchrühren und fertig ist der Trank. Ob ich ihn selbst probieren soll? Lieber nicht. Wozu hat man Studenten? Der Einführungstext auf der Rückseite beginnt recht stimmungsvoll, fällt aber weit weniger ins Auge als die Aufforderung TESTE ES JETZT! und die Beschreibung, wie man an die "Alchemisten-App" kommt. Einen ersten Eindruck vom Schachtelinhalt liefern sowohl die Aufzählung des Spielmaterials als auch die Abbildungen unter dem Text. Die technischen Daten ( 2-4 Spieler, ab 13 Jahren, ca. 120 Minuten) sind nicht nur auf der Schachtelrückseite, sondern auch auf allen Seiten zu finden.

Material und Spielregel
Alchemisten31Wie es aussieht wenn man die Spielschachtel das erste Mal öffnet habe ich ja bereits hier gezeigt. An dieser Stelle gibt es daher nur eine Aufzählung und weniger Fotos als sonst. Aus stabilem Karton sind ein doppelseitiger Spielplan, 1 Theorien-Tafel, 1 Leistungsschau-Tafel, 4 Labor-Sichtschirme, 4 Ergebnispyramiden, 4 Spieler-Tafeln, 6 Abenteurer-Plättchen, 2 Konferenz-Plättchen, 5 Drittmittel-Plättchen, 8 Element-, 104 Ergebnis-, 36 Gold-, 6 Widerspruchs- und 1 Startspielermarker sowie 44 Siegel, 8 Zutaten-Plättchen und eine Spielleiter-Tafel. Im kleinen Spielkartenformat sind 40 Zutaten-, 22 Helfer-, 18 Artefakt- und 16 Rabattkarten dabei. 8 Phiolen und 14 Würfel aus Plastik, aufgeteilt auf die Spielfarben Blau, Rot, Gelb und Grün sind ebenfalls enthalten. Des Weiteren zählen ein Block mit Schlussfolgerungstabellen, 2 Behälter für Marker sowie diverse Druckverschlussbeutel zum Spielmaterial.

Eine 20-seitige Spielanleitung ist ebenfalls enthalten. Dort werden nicht nur Spielaufbau und Spielablauf mit Siegpunktewertung ausführlich in Wort und Bild beschrieben, sondern auch die Grundlagen der Alchemie und die Zusammensetzung der Labore mit den möglichen Schlussfolgerungen der Experimente. Auch zu den Artefakten und Helferkarten gibt es Anmerkungen.

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Spielziel
Alchemisten36Wie könnte es anders sein, auch bei Die Alchemisten geht es um Siegpunkte. Diese heißen im Spiel allerdings Rufpunkte, werden am Spielende aber direkt umgewandelt. Rufpunkte gibt es während des Spiels für das Publizieren von Theorien, werden diese Theorien jedoch widerlegt, kommt es zum Abzug von Rufpunkten. Hat man sich während des Spiels um Artefakte und Drittmittel gekümmert, so liefern diese am Spielende ebenfalls Siegpunkte. Auch Helferkarten und Gold können noch umgewandelt werden. In der großen Enthüllung am Ende zeigt sich, ob es weitere Punkte zum Verteilen oder Abziehen gibt. Schließlich gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten.

Spielvorbereitung
Alchemisten26Ein paar Vorbereitungen sind schon noch nötig, bis schließlich der ganze Tisch mit Spielmaterial bedeckt ist. Letztendlich sieht es so, oder so ähnlich, wie auf dem rechten Bild aus. Im Einzelnen benötigt man den Spielplan, auf dem die Artefaktkarten des jeweiligen Spielabschnitts, die Helfer- und Zutatenkarten sowie der Vorrat an Ergebnis- und Goldmarkern ihren Platz finden. Die Abenteurer-Plättchen und Konferenz-Plättchen bilden einen gemeinsamen Stapel, auch hier wird die aktuelle Karte auf dem Spielfeld abgelegt. Schließlich werden noch die Spielfiguren, also die Phiolen, neben dem Platz für die Spielreihenfolge bereit gestellt. Auch die Theorien-Tafel muss vorbereitet werden. Weitere Marker werden ebenfalls noch benötigt.

Neben diesem allgemeinen Bereich gibt es noch die Bereiche der jeweiligen Spieler. Für jeden sichtbar werden die Spieler-Tafel, das Geld und die Aktionswürfel platziert. Rabatt-, Helfer- und Zutatenkarten sowie die Siegel werden verdeckt gehalten. Schließlich gibt es noch das Labor, das aus Sichtschirm, Ergebnispyramide und Kupferkessel zusammengesetzt wird. Dort befindet sich auch die Schlussfolgerungstabelle. Zu Beginn des Spiels hat jeder Spieler eine Helferkarte und, je nach Variante, 2 oder 3 Zutatenkarten auf der Hand und besitzt 2 Gold.

Spätestens jetzt muss man sich entscheiden, ob man mit oder ohne App spielen möchte. Will man auf elektronische Hilfsmittel verzichten, so muss eine Person als Spielleiter fungieren und mit der Spielleiter-Pyramide und den Zutaten-Plättchen agieren. Ist jedoch ein Smartphone oder ähnliches vorhanden, so kommt die App zum Zuge und die genannten Teile werden nicht benötigt. Wichtig ist bei mehreren Geräten nur, dass alle "im gleichen Spiel" sind, dies wird durch die Eingabe eines Codes bewirkt.

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Spielablauf
Bei Die Alchemisten geht es in jedem Spiel darum, herauszufinden wie sich die Zutaten genau zusammensetzen. Jede Zutat besteht aus einem roten, grünen und blauen Teilchen, das entweder groß oder klein und positiv oder negativ ist.

Alchemisten38Im Spiel wird nun untersucht, welche Tränke entstehen, wenn zwei Zutaten gemixt werden. Ein positiver Trank kann nur entstehen, wenn ein großes positives Teilchen auf ein kleines positives Teilchen trifft. Für einen negativen gilt das Entsprechende. Natürlich müssen die Farben hierbei übereinstimmen. Ein neutraler Trank entsteht, wenn keine Ladungen der jeweiligen Farben übereinstimmen.

Gespielt wird über 6 Runden. Zu Beginn jeder Runde wählen die Spieler, beginnend mit dem Startspieler, ihren Platz in der Spielerreihenfolge. Die Position der Phiole dort gibt an, welche und wieviel Karten der Spieler ziehen darf, und wann er seine Aktionen ausführen darf. In Runde Eins stehen bereits die Aktionen Zutaten sammeln, Zutat transmutieren, Artefakt kaufen, Test am Studenten und Trank trinken zur Verfügung. Ab Runde 2 gibt es dann noch die Aktionen Trank verkaufen, Theorie publizieren und Theorie widerlegen.

Die App kennt, ebenso wie der Spielleiter wenn dieser eingesetzt wird, die Zusammensetzung der einzelnen Zutaten. So kann sie beim Brauen der Tränke, unabhängig ob zum Test am Studenten, zum Trank trinken oder in der letzten Runde bei der Leistungsschau, die Tränke liefern.

Alchemisten33Das Ergebnis jeder Untersuchung wird in der Ergebnispyramide festgehalten. Ist beispielsweise bei der Mischung von Pilz und Kröte ein Heiltrank (rot positiv) entstanden, so müssen ein großes rotes positives Teilchen und ein kleines rotes positives Teilchen aufeinander getroffen sein. Die Schlussfolgerungstabelle kann nun entsprechend ausgefüllt werden. Zusätzlich wird auf der Spielertafel notiert, dass man Heiltränke erstellen kann.

Am Ende jeder Runde werden noch einige Punkte abgehandelt, beispielsweise wird der Alchemist des Monats gekürt und bekommt einen Rufpunkt. Alchemist des Monats wird der Spieler mit den meisten Siegeln auf der Theorien-Tafel. Desweiteren finden noch die Vorbereitungen für die nächste Runde statt.

In der letzten Runde ist es nicht mehr möglich, Tests am Studenten durchzuführen oder den Trank zu trinken. Statt dessen gibt es eine Leistungsschau, bei der es heißt Trank vorführen. Am Ende des Spiels erfolgt dann die Siegpunktewertung. Aus bisher gesammelten Rufpunkten werden Siegpunkte. Desweiteren werden Artefakte und Drittmittel ausgewertet. Besitzt ein Spieler noch Helferkarten, so werden diese zunächst in Gold umgetauscht, welches dann zu Siegpunkten werden kann. Anschließend erfolgt die große Enthüllung. Nun wird überprüft, ob die aufgestellten Theorien richtig oder falsch sind. Siegpunkte gibt es nur bei richtigen Theorien, wenn der Spieler dort ein Siegel mit einem Stern liegen hat. Ist die aufgestellte Theorie jedoch falsch, so gibt es Siegpunktverlust für alle Spieler, die dort ein Siegel liegen haben, es sei denn sie haben korrekt abgesichert.

Was sich hinter den einzelnen Aktionen verbirgt kann in der Spielregel nachgelesen werden, die es sowohl beim Heidelberger Spieleverlag als auch bei Czech Games Edition zum Herunterladen gibt.

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Fazit
Verdammt, schon wieder ein Spiel mit Smartphone. Wieso gehört nicht auch das Smartphone zum Spielmaterial? Stimmt, ich besitze immer noch so ein altmodisches "nur Handy". So oder ähnlich waren meine Gedanken, als ich die ersten Informationen über Die Alchemisten, noch vor der SPIEL 2014, gelesen habe. Als die weiteren Informationen dann lauteten: Kann auch ohne Smartphone gespielt werden, war ich beruhigt.

Tatsächlich ist es möglich, Die Alchemisten ohne elektronisches Hilfsmittel zu spielen. Dann ist ein Spieler der Spielleiter und übernimmt die Aufgaben der App. Interessanter finde ich aber die Tatsache, dass nur ein Gerät nötig ist, egal ob Smartphone, Tablet, Laptop oder PC. Nicht jeder Spieler muss also notwendigerweise so ein Gerät besitzen. In einer 4er Partie waren es 3 Tablets und ein Smartphone, die sich am Tisch versammelt hatten, in einer anderen wurde ein Tablet herumgereicht. Ob ein Spiel nur mit einem PC noch Spaß macht kann ich nicht sagen, da ich das erst garnicht ausprobieren wollte. Angesehen habe ich mir das Programm jedoch.

Insgesamt hat das Spielmaterial auf mich einen guten Eindruck gemacht. Einfach zu händeln sind allerdings nicht alle Dinge. So gibt es das Labor mit der Ergebnispyramide, in die das jeweilige Experimentergebnis mittels Einfügen des korrekten Ergebnismarkers in ein Lochraster markiert wird. Anscheinend braucht man zum Aufbauen ein bestimmtes Gen, das mir fehlt, denn während alle anderen keine Probleme damit hatten, wäre ich jetzt wohl immer noch damit beschäftig, wenn mir nicht ein Mitspieler geholfen hätte. Das Einfügen der Ergebnismarker in die Ergebnispyramide hat gut funktioniert, nichts fiel heraus, allerdings ist das "Gestell" recht groß und beim Setzen der Aktionen das Eine und Andere Mal angerempelt worden. Doch auch damit kann man leben.

Alchemisten39Mit der Schlussfolgerungstabelle hatte ich jedoch meine Probleme. Diese wird im Schatten des Sichtschirm ausgefüllt, und wie fast immer ging das Unterscheiden von Grün und Blau dort nicht. Da die einzelnen "Moleküle" jedoch in jedem Feld gleich angeordnet sind, war das nur in den ersten Runden ein Problem, danach hatte ich es mir gemerkt, grün links, blau rechts. Das weitaus größere Problem war das Erkennen von + und - in den farbigen Kugeln. In der 2er Partie, die auch zum Kennenlernen der Regeln für mich diente, habe ich den Zettel jedes Mal hinter dem Sichtschirm hervorgeholt. Für die weiteren Partien habe ich dann meinen Zettel in der ersten Spalte mit den jeweiligen Zeichen neben den farbigen Kreisen gekennzeichnet; sehr viel besser war das dann aber trotzdem nicht.

Mir persönlich gefällt die Kombination Brettspiel - Smartphone bei Die Alchemisten gut. Positiv finde ich es auch, dass man bei den Tränken die "Zutaten" nicht nur "fotografieren" und vom Gerät zuordnen lassen, sondern auch auswählen kann. Je nach Kamerafähigkeit, ruhiger Hand und Beleuchtung war das Erkennen der korrekten Kartenkombination nicht immer auf Anhieb möglich.

Bei Die Alchemisten müssen immer wieder Entscheidungen gefällt werden, die einen oft in die Zwickmühle bringen. Das fängt schon beim Setzen für die Spielerreihenfolge an. Soll man auf eine bestimmt Kartenkombination gehen und Gefahr laufen, seine Aktionen erst spät ausführen zu dürfen? Oder besser ganz auf Karten verzichten und so fast sicher der Erste bei den Aktionen sein? Doch welche Aktionen soll man wählen? Zutaten sind nötig, Tränke müssen gebraut werden, Gold benötigt man aber auch, schließlich muss manchmal der Student bestochen werden, und die Veröffentlichung einer Theorie kostet auch.

Neben den "alltäglichen Problemen" eines "Arbeiter-Einsetzen-Spiels" ist bei Die Alchemisten noch weitere Gehirnarbeit gefragt. Schließlich gilt es aus den eigenenen Notizen, aber auch aus den veröffentlichten Thesen, weitere Schlüsse zu ziehen und diese dann zu nutzen.

Auch wenn ich mich jedes Mal über die schwachen Kontraste bei der Schlussfolgerungstabelle ärgere, meine bisherigen Partien haben mir sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich auf weitere Partien.

 

 

 

Ich danke dem Heidelberger Spieleverlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares

Spiel: Die Alchemisten
Autor: Matús Kotry
Illustrator: Cochard, David
Verlag: Heidelberger Spieleverlag, CGE
Anzahl: 2-4 Spieler
Alter: ab 13 Jahre
Dauer: ca. 120 Minuten
Jahr: 2014
Preis: 39,95 Euro (UVP Heidelberger, Stand 08.09.2015)

 

 

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