Snowdonia

Snowdonia01Snowdonia ist doch sicher wieder so eine Wortschöpfung, so oder ähnlich waren meine Gedanken als ich das Spiel Snowdonia von Lookout Spiele das erste Mal gesehen habe. Doch damit hatte ich Unrecht. In Wales gibt es eine Region, die so heißt und Nationalparkstatus hat. Den Namen hat diese Region vom höchsten Berg dort, dem Snowdon.

Und genau dieser Berg ist auf dem Cover des Spiels im Hintergrund abgebildet, während im Vordergrund Förderwagen auf Schienen abgebildet sind.

Snowdonia02Vor euch ragen sich die Berge von Snowdonia auf, ihre Spitzen sind in den tiefhängenden Wolken nur zu erahnen. Der höchste Gipfel gehört zu Yr Wyddfa, wie ihn die Einheimischen nennen: Mt. Snowdon, mit 1085 Metern der höchste Berg von Wales. Mit diesen Worten stimmt der Text auf der Rückseite der Spielschachtel auf das Spielgeschehen ein. Der weitere Text gibt erste Hinweise auf den Spielablauf. Das Bild darunter liefert einen ersten Eindruck vom Spielmaterial. Die technischen Daten (1-5 Spieler, ab 10 Jahren, ca. 30-90 MInuten) sind ebenso vorhanden wie eine Auflistung des Spielmaterials.

Material und Spielregel
Snowdonia03In der Schachtel befinden sich ein Spielbrett aus stabilem Karton, 66 Spielkarten (30 Auftragskarten, 7 Lokkarten, 8 Stationskarten, 14 Gleiskarten, 5 Aktionskarten für andere Spieleranzahl und 2 Übersichtskarten) im "üblichen" Format, über 300 Holzteile (40 "Eisen"-, 24 "Stein"-, 14 Kohle"-, 90 "Geröll"- sowie 5 Ereignisklötzchen, 18 "Stahlträger", 8 Markier- und 11 Wetterscheiben, 80 Besitzmarker (je 16 in den Spielfarben Gelb, Blau, Grün, Rosa und Violett), 20 Spielfiguren (je 4 in den 5 Spielfarben) und eine Startspielerlok), 1 Wertungsblock und 1 Leinenbeutel.

Natürlich ist auch eine Spielregel enthalten. Auf 12 farbigen DIN A4 Seiten gibt es zunächst eine Einführung in die Thematik, anschließend folgen die üblichen Punkte Spielmaterial, Spielaufbau, Spielverlauf und Spielende. Während die unterschiedlichen Auftragskarten im Punkt Wertung näher erklärt werden, finden sich nähere Erläuterungen der verschiedenen Loks und den Ereignissen in gesonderten Abschnitten. Auf der Rückseite gibt es außerdem die Variante: Blaenau Ffestiniog.

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Spielziel
So viel Punkte wie möglich sammeln ist die Aufgabe, denn dann gewinnt man das Spiel. Punkte gibt es für Besitzmarker auf Stationskarten und Gleisen, für erfüllte Auftragskarten und für die Lok No. 4 Snowdon. Hat sich der Vermesser bewegt, so gibt es auch durch diesen Punkte.

Spielvorbereitung
Snowdonia15Etwas Zeit wird für die Vorbereitung schon benötigt. Zunächst kommt der Spielplan auf den Tisch. Anschließend werden Gleiskarten und Stationskarten um den Plan gelegt und entsprechend mit Geröll bestückt. Auch die Lokkarten kommen neben den Plan und erhalten die jeweilige Kohlemenge. Für ein Spiel zu Dritt sind die möglichen Aktionen bereits auf dem Spielplan aufgedruckt, durch Ablegen von Aktionsfeldkarten wird das Spiel an jede andere Spielerzahl angepasst. Mit dem Legen der Auftragskarten erfolgt auch die erste Wettervorhersage. Der Lagerplatz wird zunächst mit 7 "Eisen", 4 "Stein"" und 1 "Kohle" bestückt; weitere Klötzchen, ebenso wie die Ereignisklötzchen, die genaue Anzahl wird durch die Spieleranzahl vorgegeben, kommen in den Leinenbeutel. Spielfiguren und Besitzmarker werden an die Spieler verteilt. Zwei Figuren stehen den Spielern als Arbeiter direkt zur Verfügung, eine weitere Figur wartet als Arbeiter im Pub, während die vierte als Vermesser auf dem Feld Llanberis beginnt.

Spielablauf
Snowdonia06Gespielt wird über mehrere Runden. Zunächst werden mit den Arbeitern die geplanten Aktionen bestimmt, allerdings ist die Zahl der Arbeiter pro Aktion begrenzt. Die Anzahl erlaubter Arbeiter hängt von der Anzahl Spieler ab. Anfangs stehen dem Spieler zwei Arbeiter zur Verfügung, die er für die verschiedenen Aktionen nutzen kann. Erst im weiteren Verlauf des Spiels, hierzu muss der Spieler eine Lok besitzen und Kohle abgeben, kann der zusätzliche Arbeiter aus dem Pub für eine Runde genutzt werden.

Folgende Aktionen sind möglich:
A Lagerplatz: 3 beliebige Klötzchen nehmen, aber höchstens ein mal Kohle.
B Räumarbeit: Die erlaubte Anzahl Geröll von den Gleiskarten und Stationskarten nehmen.
C Werkstatt: Eisen in Stahl und/oder Geröll in Stein tauschen.
D Gleise legen: Gemäss Arbeitstempo von Geröll befreite Gleiskarten umdrehen und mit einem Besitzmarker markieren. Jedes Gleis benötigt hierbei einen Stahlträger.
E Bauen: Auf Stationen, die mit Gleisen erreichbar sind, gegen Abgabe von Steinen oder Stahlträger Besitzmarker platzieren. Eine Lok darf jetzt nur gekauft werden, wenn das Ereignis "Loks jetzt verfügbar" eingetreten ist.
F Baubüro: Eine Auftragskarte nehmen.
G Vermesser bewegen: Der Vermesser wird eine Station weiter den Berg hinauf bewegt.

Snowdonia14Anschließend werden die gewählten Aktionen in festgelegter Reihenfolge ausgeführt. Im Anschluss daran wird die nächste Spielrunde vorbereitet. Die Auftragskarten werden aufgefüllt und die Wettervorhersage aktualisiert. Das aktuelle Wetter hat immer Einfluss auf Räum- und Gleisbauarbeiten. Sonne motiviert die Arbeiter; es darf mehr Geröll geräumt und Gleisbau betrieben werden. Bei Regen dagegen geht die Arbeit langsamer voran als zuvor, völligen Stillstand gibt es bei Nebel. 

Als Letztes wird der Lagerplatz aufgefüllt. Die Zahl nachgezogener Klötzchen wird durch die Spieleranzahl bestimmt. Gezogene weiße Klötzchen bewirken Ereignisse. Es kann nun sein, dass Fremdfirmen Geröll räumen, Gleise legen oder die Station fertig bauen. Punkte für die Spieler gibt es in der Endwertung dann natürlich nicht. Über die Ereignisse wird auch bestimmt, ob Loks gekauft werden dürfen oder gewartet werden müssen.

Das Spiel endet, sobald der Gleisbau vollbracht ist. Die laufende Runde wird noch zu Ende gespielt, anschließend erfolgt die Wertung. Siegpunkte gibt es nun für Besitzmarker auf Stationen und Gleisen, den Besitz der Lok Snowdonia und erfüllte Auftragskarten. Hat sich der Vermesser bewegt, so gibt es auch durch diesen Punkte.

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Fazit
Optisch hat mich Snowdonia zunächst nicht wirklich angsprochen. Die Regeln habe ich erst während der ersten Partie richtig begriffen. Aber dann hat es Spaß gemacht und mittlerweile finde ich die Gestaltung von Spielbrett und Karten auch gelungen, denn alles Wichtige ist dort zu sehen.

In der Schachtel gibt es kein Kunststoff- oder Pappinnenleben, sondern nur Spielmaterial. Daher wirkt die Schachtel ziemlich leer, obwohl 66 Spielkarten und über 300 Holzteile enthalten sind. Das Material selbst kann ich nur loben. Die Spielfarben lassen sich gut unterscheiden, die Schrift auf den Karten lassen sich gut lesen, auch die genutzten Symbole sind verständlich. Der Leinenbeutel ist solide verarbeitet, könnte allerdings etwas größer sein, damit man leichter die passende Farbe findet, wenn man sich für die Aktion C Werkstatt entschieden hat und Geröll gegen Stein tauschen möchte.

Die Beschreibung der Spielvorbereitung in Wort und Bild gefällt mir besonders gut. Bereits an dieser Stelle werden die Anpassungen an die unterschiedenen Spieleranzahlen genannt. Ein Hin- und Herblättern entfällt somit.

Snowdonia funktioniert in jeder Besetzung, allerdings macht mir persönlich das Solospiel keinen Spaß. Aber ich bin auch nicht der Typ, der sich allein an einen Tisch setzt um ein Brettspiel zu spielen.

Besonders missfallen hat mir gerade im Solospiel, und teilweise noch in den Zweierpartien, dass auch während des Spiels soviel Organisatorisches passiert. Wieviel Zeit für Auftragskarten auffüllen, Wettervorhersage aktualisieren und Lagerplatz auffüllen benötigt wird, ist mir nur in den kleinen Runden aufgefallen, beim Spiel in Vollbesetzung eigentlich nie.

Ein vorausschauender Blick und Planung ist bei Snowdonia nötig. Es gilt die Wettervorhersage im Auge zu behalten, schließlich kann es sein, dass in der nächsten Runde wegen Nebel weder Räumarbeiten noch Gleisbau durchgeführt werden können. Andrerseits kann sich das Arbeitstempo "draußen" auch steigern, wenn die Sonne herauskommt. Um Gleise zu legen oder Bauten zu errichten ist zudem das passende Baumaterial vorher zu besorgen. Und bei allem sollte man die eigenen Aufträge im Hinterkopf haben, schließlich liefert die Erfüllung eines Auftrages Punkte.

Es war nicht Liebe auf den ersten Blick, aber mittlerweile spiele ich Snowdonia sehr gerne.

 

Ich danke Asmodee für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares

Spiel: Snowdonia
Autor: Tony Boydell
Gestaltung: Charlie Pauli, Tony Boydell, Klemens Franz
Verlag: Lookout Spiele
Anzahl: 1-5 Spieler
Alter: ab 10 Jahre
Dauer: ca. 30-90 Minuten
Jahr: 2012
Preis:
ca. 37,50 Euro (Stand 24.05.2013)

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